Zuckerrohr
Ohne Zucker - keine Marmelade !
Zuckerrohr - Saccharum officinarum
Der Ursprung des Zuckerrohrs liegt in Polynesien. Seit dem
5. Jahrhundert wird es in Indien landwirtschaftlich genutzt.
Neben der schwierigen Verarbeitung war Zucker um diese Zeit
sehr rar und kostete den Normalbürger für ein Kilo zwei volle
Monatslöhne. Der Zucker galt damals als Luxusartikel, sodass
der größte Teil der Bevölkerung die Speisen weiterhin mit Honig
süßte.
Die Kreuzfahrer brachten den Zucker nach Europa. Die
Portugiesen brachten die Pflanze nach Südamerika und bauten
bereits in 16. Jahrhundert weite Flächen in Brasilien an. Der
Zuckeranbau in Brasilien und in der Karibik leitete den
„Zuckerzyklus“ der Kolonisationsgeschichte ein. Der
Zuckerrohranbau in der so genannten Neuen Welt hat entscheidend
zur Verschleppung von Schwarzafrikanern in die Sklaverei und
zur Ausrottung ganzer Volksgruppen geführt.
Heute wird Zuckerrohr weltweit angebaut. Die Arbeitsbedingungen auf den Zuckerrohrfeldern sind teilweise katastrophal. Zuckerrohrarbeiterfamilien zählen meist zu den ärmsten Bevölkerungsschichten eines Landes. In Zuckeranbaugebieten müssen meist Kinder im Alter von neun oder zehn Jahren mit der Arbeit beginnen, damit die Familie bei den extrem niedrigen Akkordsätzen genügend verdient, um nicht zu verhungern. Die Besitzer der Plantagen erkennen Gewerkschaften meist nicht an.
Viele ZuckerproduzentInnen sind nicht mehr in der Lage die Herstellungskosten zu tragen. Entsprechend billig kann der Rohrzucker angeboten werden, in der EU ist er allerdings wegen sehr hohen Zölle trotzdem nicht konkurrenzfähig gegen den subventionierten Rübenzucker. Durch den fairen Zuckerhandel soll gewährleistet werden, dass die ProduzentInnen unter menschenwürdigen Bedingungen leben, arbeiten und ihre Produktionsgrundlage für die Zukunft erhalten können.
Rohrzucker-Erzeugung
Der Anbau des Zuckerrohrs geschieht über Stecklinge. Die erste Ernte kann 9 bis 24 Monate nach dem Auspflanzen erfolgen. Die Halme werden direkt über dem Boden abgeschnitten. Die “Halmstümpfe” schlagen wieder aus, und nach weiteren 12 Monaten kann die nächste Ernte geschnitten werden. Bis zu 8 Ernten können jährlich auf einem Zuckerrohrfeld wachsen. Eine Zuckerrohrpflanze kann bis zu 20 Jahre alt werden.
In den meisten Fabriken wird das Rohr in Zuckerrohrmühlen verarbeitet. In den Mühlen wird der Saft aus dem Zuckerrohr herausgepresst. Der gewonnene Saft wird in Absetzer geleitet. Dort werden durch Schwerkraft Schwebestoffe aus dem Saft entfernt. Diese einfache Art der Saftreinigung ist dafür verantwortlich, dass Rohrzucker oft braun ist. Anschließend wird aus dem Dicksaft durch mehrmaliges Kristallisieren bei erhöhter Temperatur und Unterdruck der Zucker gewonnen. Bei der Kristallisation entstehen in den Kochapparaten Kristalle die in speziellen Zentrifugen vom übrigen Saft getrennt werden.
Roh-Rohrzucker der auch als getrockneter Zuckerrohrsaft
bezeichnet wird, enthält alle im Zuckerrohr enthaltenen
Mineralien, insbesondere Eisen, Magnesium und Calcium sowie
B-Vitamine. Charakteristisch für diesen Zucker ist der leicht
karamellartige Eigengeschmack, und eine hell bräunliche
Farbe.





